|
Altes Land, junger Weinbau - Eine kurze Weinbaugeschichte
In Viktoria, Neusüdwales und Westaustralien
verbreitete sich der Weinbau am schnellsten. Auf Tasmanien brachten
sich die Franzosen erfolgreich ein und kultivierten ihre eigenen
Sorten. Das Barossa Valley war Mitte des neunzehnten Jahrhunderts
Zufluchtsort für viele deutsche Regionsflüchtlinge. Sie begannen
ebenfalls mit den Rebbau. Um 1900 hatte der Weinbau stattliche Ausmaße
angenommen. Süße Likörweine vor allem aus der Sorte Muscat d'Alexandrie
waren die Spezialität und auch portartige Weine wurden erzeugt.
Eine entscheidende Voraussetzung
für die heutige rasante Entwicklung des australischen Weinbaus war,
dass man vor etwa 30 Jahren die Produktion von schweren, süßen Likörweinen
auf einfache, trockene Tischweine umstellte. Mit der schrittweisen
Einführung moderner Kellertechnik kamen die australischen Weinmacher
dann nach und nach besser mit dem heißen Klima des Kontinents zurecht.
Schließlich entdeckte man die sogenannten "cool climates", die für
den Qualitätsweinbau geeigneten kühleren Regionen. Die Qualität
der trockenen Weine stieg und mit ihr auch der Weinkonsum im Inland
- der Pro-Kopf-Verbrauch ist mit 18 Litern im Jahr heute etwa doppelt
so hoch wie in den USA.
Experten aus der ganzen Welt interessieren
sich inzwischen für oenologische Erkenntnisse, die in diesem Land
gewonnen wurden. Dazu gehört beispielsweise der Minimalschnitt,
eine in Australien entwickelte Methode, mit der ganz oder teilweise
auf den arbeitsaufwendigen Rebschnitt verzichtet werden kann, die
Australier nennen es "Minimum Pruning". Rationalisiert wird auch
bei der Lese, die größtenteils maschinell durchgeführt wird. Fest
etabliert hat sich auch in diesem Weinbauland der Neuen Welt der
Umgang mit dem Barrique, in dem viele Rotweine ausgebaut und einige
Weissweine zudem vergoren werden.
|